Endlich Sommer! Die Störche kehren aus ihren Ferienfahrten zurück. Was sahen sie denn für interessante Dinge in diesen warmen Gefilden? Man könnte für einen Augenblick mit dem Gedanken spielen, dass sie Spione wären, die jedes Jahr regelmäßig auf Mission geschickt werden. Absurd? Nun, eben nicht so ganz....

Tauben. Für eine Gruppe von Liebhabern sind es Zuchttiere zum Vorzeigen. Für die meisten Nicht-Liebhaber bedeuten sie gurgelnde Schnäbel, die Brotstücke aus dem Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz herauspicken oder auf den Balkonen der genossenschaftlichen Siedlungen nebeneinander hocken. Doch einst wurde ihnen eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft zugewiesen. Zwar nicht der eigenen Gesellschaft, sondern unserer, aber seien nicht so detailversessen. Einst bekamen sie für ihre Arbeit mehr als nur Brotreste. Sie erhielten militärische Auszeichnungen.... Was Tauben mit militärischen Auszeichnungen gebrauchen können, weiß der Teufel, aber gehen wir der Frage nach, wofür sie sie eigentlich erhalten haben. Für Spionage!

DAS SEHVERMÖGEN EINER TAUBE

Es war 1914, als die ersten Tauben den Militärdienst antraten. In der deutschen Armee. Doch nicht die Militärs, sondern ein gewisser Apotheker kam einige Jahre zuvor auf die Idee, die Welt aus der Vogelperspektive zu beobachten. Doch gerade dieses Äquivalent zu den heutigen Online-Apotheken faszinierte das deutsche Militär so sehr, dass die Taube mit einer Miniatur-Spionagekamera bestückt wurde und als lebendige Drohne über der Infrastruktur des Feindes flog.

Obwohl die Bilder, die der Verschluss in bestimmten Zeitabständen auslöste für damalige Verhältnisse von recht guter Qualität waren, entschied das Militär am Ende, dass Tauben im Krieg als Kuriere von guten und schlechten Nachrichten nützlicher sind – und es war eher diese Branche, in der die Zuchtvögel Karriere machten.

BERUF: SPION. HOBBY: NÜSSE.

So viele Spione, so viele Gewohnheiten. Einer mag den Martini geschüttelt, nicht gemischt. Ein anderer mag Nüsse. Im Jahr 2007 nahmen iranische Behörden 14 Eichhörnchen fest, die in der Umgebung des Uranforschungszentrums herumhüpften. Zuerst schlichen sich die verdächtigen Typen mit der Anmut von Spezialagenten unbemerkt in den Laborbereich, um danach aufmerksam das gesamte Gelände zu beobachten – und knabberten nebenbei an Nüssen. Das Eichhörnchen-Team hat während der Festnahme keinen Widerstand geleistet – während der ganzen Aktion wirkten sie völlig unschuldig, wie es sich für erfahrene Spione gehört.

SPIONAGEGEIER

Es mag den Anschein haben, dass der Geier ein perfekter Kandidat für einen Geheimagenten ist – klug, weitsichtig und geduldig über der Beute zirkulierend. Die saudi-arabischen Behörden kamen im Jahr 2011 zu dieser Annahme und beobachteten einen Geier, der über ihrem Territorium flog, besonders aufmerksam. Der Vogel trug einen zur Universität Tel Aviv gehörenden GPS-Sender, so dass er schnell für einen Späher des israelischen Geheimdienstes Mossad gehalten wurde. Die lokalen Medien hatten begonnen, sich gegenseitig mit Verschwörungstheorien zu übertreffen, bevor es sich herausstellte, dass dieser Sender nichts anderes war als eine Datenbank mit Informationen... über den Geier selbst – seine Fluggeschwindigkeit und sein Verhalten in freier Wildbahn. Und auch nur das.

TROJANISCHE KATZE

Abschließend lohnt es sich, die finanziell wahrscheinlich misslungenste Investition von CIA zu erwähnen. Während des Kalten Krieges beschlossen die Amerikaner, den Russen etwas unterzujubeln, nämlich eine Katze, die um die sowjetische Botschaft in Washington herumlaufen und abhorchen sollte, was da so im Gras quietschte. Dank eines kleinen Implantats unter ihrem Fell sollte sie alle sowjetischen Gespräche übermitteln, während sie geschickt und meist unbemerkt durch die Räumlichkeiten der Einrichtung streifte. Die vierbeinige Wanze kostete 20 Millionen Dollar – umso stolzer und hoffnungsfroher waren die Geheimagenten zu Beginn der Aktion. Sie nahmen gegenüber der Botschaft Stellung und ließen die Katze frei. Die Katze lief über die Straße und... wurde von einem Taxi überfahren.

Nun, zum Glück hat der Mensch doch noch Technologien erfunden, die in seinem Auftrag spionieren, anstatt ahnungslose Haustiere zu quälen. Manchmal ist es tatsächlich besser, eine Taube auf dem Dach zu haben als einen Spatz in der Hand.